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Iris Labacher | Bloggerin & Niederlassungsleiterin

Iris Labacher bloggt zu Themen in der Personaldienstleistung, Vertrieb und Recruiting von 50Plus Kandidaten.
5 Minuten Lesezeit (1056 Worte)

Interview: Beruflicher Neustart mit 50Plus.

Bildquelle: APS Group Sabine und Iris im Interview

Sabine M., 51 aus Linz, die ehemalige Friseurmeisterin ist jetzt HR-Managerin. Sie erzählt von ihrem nicht freiwilligen, beruflichen Neustart.


50Plus sind nicht motiviert, ständig krank und warten nur noch auf Ihre Pension? GANZ FALSCH! BestAger sind mutig, ehrgeizig und offen für Veränderungen. Das beste Beispiel ist Sabine. Sie erzählt uns im Interview, wie es sich anfühlt mit 50Plus beruflich neu zu starten.

Interview

Sabine, du hast Friseurin gelernt und anschließend die Meisterprüfung absolviert. Seit über 35 Jahren hast du diesen Job mit Leidenschaft ausgeübt. Nun ist in beruflicher Hinsicht alles anders.


Iris: Wie kam es dazu, mit 50Plus beruflich neu zu starten?

Sabine: Aufgrund mehrerer festgestellter Bandscheibenvorfälle, konnte ich den Beruf als Friseurin nicht mehr ausüben. Das hat mir im ersten Moment den Boden unter den Füßen weggerissen. Ich fiel in ein tiefes Loch.


Iris: Wer und was hat dir dabei geholfen, herauszufinden was du beruflich machen möchtest?

Sabine: Es war gar nicht so einfach. Ich wollte unbedingt wieder mit Menschen arbeiten. Ich hatte absolut keinen Plan, was ich machen könnte. Meiner AMS-Betreuerin bin ich überaus dankbar, sie hat sich sehr engagiert und mich zur BBRZ Rehaplanung vermittelt. Die Betreuer dort halfen mir durch Gespräche und Tests dabei, die Berufsorientierung und die Berufsplanung zu strukturieren.Eines Abends brachte mich meine jüngere Tochter auf die Idee, dass das Personalmanagement ein interessantes Tätigkeitsfeld wäre und gut zu mir passen würde. Ich hab zu den Jobmöglichkeiten im Personalmanagement recherchiert und rasch wusste ich „das ist das Richtige für mich". Fest von dieser Idee überzeugt, habe ich sofort mit den Betreuern am AMS und im BBRZ darüber gesprochen. Ich musste zwar viel Überzeugungsarbeit leisten, aber letztendlich wurde mir die Ausbildung und Umschulung zur HR-Managerin genehmigt. Gemeinsam mit dem AMS und BBRZ haben wir einen Ausbildungsplan für zwei Jahre erstellt, der sämtliche Themen des HR-Managements abdeckt.


Iris: Warum genau der Job als HR-Managerin?

Sabine: Ich habe ja einige Erfahrung als Führungskraft. Da musste ich immer wieder Mitarbeiter einstellen und ausbilden. Das hat mir immer Spaß gemacht. Das Wichtigste für mich ist, direkt mit Menschen zu arbeiten.


Iris: Welche Ängste und Hürden musstest du während dieser beruflichen Veränderung bewältigen?

Sabine: Die Ängste waren massiv! Ich habe mich oft gefragt, schaffe ich das noch in meinem Alter? Kurz überkam mich die Angst vor der eigenen Courage, aber das dauerte nur kurz. Ich habe mich nicht unterkriegen lassen und verfolgte einfach mein Ziel. Die größte Hürde war für mich mit dem Computer zu arbeiten. Damit hatte ich zuvor einfach nichts zu tun und das habe ich auch nie gelernt. Hier muss ich von Grund auf alles neu lernen. Aber meine Motivation treibt mich an und ich bin sehr stolz auf mich, weil in den letzten sechs Monaten wirklich viel dazugelernt habe und gut zurechtkomme. Ich habe mir ein Programm heruntergeladen, um das 10-Finger System zu lernen. Mittlerweile bin ich schon richtig gut darin. Wenn einem etwas wirklich wichtig ist, dann will man auch gut darin sein. Man muss sich Mühe geben, denn von Nichts kommt Nichts!


Iris: Was hast du gefühlt, als du endlich dein neues, berufliches Ziel gefunden hast?

Sabine: Ich habe mich gut gefühlt, ich hatte endlich wieder ein Leben. Wieder ein Ziel, wofür es sich lohnt, jeden Tag aufzustehen. Ich bin glücklich und stolz auf meine Erfolge. Und ich bin dankbar, dass ich diese Chance bekommen habe.


Iris: Wie hat dein Umfeld auf deine Entscheidung reagiert?

Sabine: Sehr unterschiedlich. Die meisten Leute in meinem Umfeld stehen voll hinter mir und meiner Entscheidung. Viele bewundern und motivieren mich. Sie stehen mir zur Seite und unterstützen mich. Vor allem die jungen Menschen in meinem Umfeld sind sehr hilfsbereit. Ich kann viel von ihnen lernen. Außerdem hält einen der Umgang mit Jugendlichen auch selber jung! Und dann gibt es noch ein paar Wenige, die mich für völlig irre halten „in meinem Alter" noch einmal ganz von vorne zu beginnen. Beruflich mit etwas ganz Neuem anzufangen. Ich hörte Sätze wie „du glaubst doch nicht, dass jemand auf dich wartet" oder„ du bist viel zu alt dafür etwas Neues zu lernen" . Mittlerweile habe ich den Eindruck, dass genau diese Menschen einfach nur neidisch auf meinen Mut und auf meine Zielstrebigkeit sind.

Ich lasse mich nicht entmutigen. Ich gehe meinen Weg und alles wird recht werden, davon bin ich überzeugt.


Iris: Wie ist es, mit 50Plus nochmal etwas völlig Neues zu lernen?

Sabine: Es ist nicht einfach, wieder mit dem theoretischen und praktischen Lernen zu beginnen. Aber wenn es Spaß macht und man von der Sache überzeugt ist, dann klappt das recht gut. Es ist kein Spaziergang, aber ich schaffe es. Man darf nur nicht zu stolz sein, Fragen zu stellen oder um Hilfe zu bitten, wenn man etwas nicht kann oder noch nicht weiß.


Iris: Was erwartest du dir von deiner beruflichen Zukunft?

Sabine: In den nächsten 12 Jahren, bis zu meiner Pensionierung, möchte ich beruflich nochmal richtig Gas geben. Ich freue mich auf meine neue beruflichen Herausforderungen im Personalmanagement und auf meinen neuen Arbeitgeber. Ich will noch viel lernen und bewegen. Meine Erwartung ist, jeden Morgen aufzustehen und eine berufliche Aufgabe zu haben, die mich erfüllt. Abends möchte ich dann müde, aber glücklich und zufrieden heimkommen und wissen, dass ich etwas geleistet habe.


Iris: Was ratest du der Generation 50Plus, die in einer ähnlichen Situation sind?

Sabine: Man muss einfach selber wissen, was man will. Damit muss man sich einfach auseinandersetzen. Auf keinen Fall den Kopf in den Sand stecken! Ich empfehle die wirklich guten Angebote des AMS und BBRZ zu nutzen. Ich wusste vorher nicht, dass es so etwas überhaupt gibt. Gerade in Österreich gibt viele gute Möglichkeiten, die kostenlos gefördert werden. Ich kann nur jeden raten, die Möglichkeiten und Angebote zu nutzen.


Iris: Liebe Sabine, herzlichen Dank für die interessanten Einblicke und deine offenen Worte. ich wünsche dir viel Freude und Erfolg in deinem neuen Berufsleben. Ich habe viel von dir gelernt. Zwei Dinge nehme ich aus dem Interview für mich mit:


Wenn man etwas wirklich will, dann kann man es schaffen, egal wie alt man ist.

Man ist nie zu alt, etwas Neues zu beginnen. 

Mein Fazit: Arbeitgeber sollten sich nicht vom Alter eines Bewerbers „abschrecken" lassen. Sie sollten sich Zeit nehmen, die BestAger-Bewerber einzuladen und anzuhören. Den 50Plus Bewerbern sei gesagt – ihr seid nicht zu alt! Mit der richtigen Einstellung, einer großen Portion Mut und Motivation, warten viele berufliche Möglichkeiten.

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